Handwerkerkleidung des ausgehenden Hochmittelalters
Meine Bekleidung orientiert sich in Zusammenstellung der Kleidungsstücke sowie Qualität und Farbe der Stoffe an der für einen mittel bis gut situierten Bürger aus einer Stadt des 13. Jahrhunderts im süddeutschen Raum charakteristischen Kleidung. Sämtliche wollenen Kleidungsstücke meiner Ausrüstung sind pflanzlich gefärbt. Alle Näharbeiten wurden von Hand ausgeführt.
Die bürgerliche Kleidung des ausgehenden Hochmittelalters ist grundsätzlich sehr einfach und weit geschnitten. Prinzipiell gilt als Faustregel für die Rekonstruktion: Kleidungsstücke, die direkt auf der Haut liegen, sind aus Leinen (bzw. Hanf- oder vergleichbaren Stoffen), Stücke darüber aus pflanzlich gefärbter oder ungefärbter Schafswolle. Ein Beispiel für die Vorlagen zur Rekonstruktion der Kleidung auch im lokalen Raum sei hier aus dem - mit 1230/1240 leicht früher datierenden - Bamberger Psalter (Msc. Bibl.48) gegeben. Die Abbildung (Einzug in Jerusalem, fol. 61v) zeigt ein weites Oberteil und darunter das Unterhemd, eine hervorquellende Bruche sowie Beinlinge mit Fußteil. Auffällig ist, dass die für 1250 durchaus gebräuchliche Bundhaube (s.u.) im Bamberger Psalter generell nicht anzutreffen ist. Im Folgenden sollen nun die einzelnen Kleidungsbestandteile näher vorgestellt werden. Kleidungszubehör wird hier nicht näher gezeigt, sondern im Artikel Kleidungszubehör. Hauptteil der Oberbekleidung ist ein wollenes, ca. knielanges Gewand, das als Cotte bezeichnet wird. In den abgebildeten Beispielen sind Cotten in Krapprot, Waidblau und Walnussbraun zu sehen. Durch den Einsatz von Geren im Hüftbereich - also zusätzlichen dreieckigen Einsätzen - wird im Bereich der Beine das Gewand aufgeweitet. Darunter befindet sich ein entsprechendes Untergewand aus Leinen. Die Unterbekleidung wird ergänzt durch die Bruche, eine sehr stoffhaltige Unterhose aus Leinen, die mit einem Tunnelzug fixiert wird. An die Bruche werden Beinlinge angenestelt, sozusagen Hosenbeine, die erst knapp über dem Knie oder im Bereich des Oberschenkels beginnen.
Der Kopf wird auf vielen - aber natürlich auch nicht auf allen, wie bereits die Beispiele auf dieser Seite zeigen - zeitgenössischen Abbildungen zunächst von der einfachen Bundhaube aus Leinen bedeckt, die vor allem eine hygienische Funktion erfüllt. Darüber wird je nach Gusto und Erfordernis die eigentliche Kopfbedeckung getragen. Als Beispiel einer lokalen Abbildung sei wiederum der Bamberger Psalter herangezogen. Hier ist auf fol. 8r (Geburt Christi) rechts oben ein roter Hut dargestellt, dessen Formgebung eigentlich nur eine verfilzte Lösung zulassen kann. Darüber hinaus ist die Befestigung des Hutes am Kinn mittels eines einfachen Bandes zu sehen. Für diese Kopfbedeckung kommen nun also verschiedene Materialien und Schnitte in Frage, die sich uns im Detail aus solchen Abbildungen allein nicht erschließen können. Als Rekonstruktionsvorschläge nutze ich hier eine nadelgebundene Kappe aus naturbrauner Wolle (siehe Nadelbindung) und einen einfachen gefilzten Hut aus naturbrauner Wolle, dessen Form sich an der Abbildung im Bamberger Psalter orientiert. Bei schlechtem oder kaltem Wetter kann die Kleidung durch einen einfachen Mantel ergänzt werden, wie er aus birkengrüner Wolle gezeigt wird. Das hier abgebildete Beispiel folgt einem einfachen Rechtecksschnitt, wie wir ihn u.a. wieder im Bamberger Psalter antreffen können. Passend zum Mantel ist eine einfache rechteckige, gefütterte Kapuze, die als primitive, funktionale Form der Gugel angesehen werden kann: Ergänzt wird die Kleidung durch weitere Elemente wie Gürtel und Schuhe, wie sie auf den entsprechenden Unterseiten beschrieben werden (siehe Kleidungszubehör bzw. Schuhe).
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